Friseurhandwerk im Kreis Mecklenburg 2026

Wer in Wismar, Grevesmühlen oder Rehna einen Friseurtermin bucht, erlebt ein Handwerk, das sich gerade stärker verändert als in den Jahrzehnten zuvor. Steigende Materialkosten, ein verändertes Ausbildungsverhalten junger Menschen und neue Kundenwünsche prägen den Alltag der Betriebe im Kreis Mecklenburg-Vorpommern. Ein Blick auf die Lage vor Ort zeigt, wo Chancen liegen und wo der Schuh drückt.

Ausbildungszahlen: Leichter Aufwärtstrend, aber kein Grund zur Entwarnung

Die Handwerkskammer Schwerin meldete für den Ausbildungsbereich Friseur zum Stichtag 31. Dezember 2024 rund 310 aktive Ausbildungsverhältnisse im gesamten Kammerbezirk. Davon entfallen schätzungsweise 60 bis 70 Verträge auf Betriebe im Kreisgebiet Mecklenburg. Das klingt nach soliden Zahlen, ist aber im Zehnjahresvergleich ein Rückgang von etwa 18 Prozent.

Gleichzeitig gibt es einen Lichtblick: 2024 wurden im Kreis wieder mehr neue Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr, nämlich rund 22 gegenüber 17 im Jahr 2023. Viele Betriebe führen das auf eine aktivere Präsenz bei Berufsorientierungsveranstaltungen in Schulen zurück. Der Salon Haarwerk aus Grevesmühlen beispielsweise kooperiert seit 2023 fest mit einer Regionalen Schule im Ort und bietet jedes Frühjahr Schnuppertage an.

Die dreijährige Ausbildung zum Friseur endet mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer. Wer danach mindestens drei Jahre Berufserfahrung gesammelt hat, kann den Meister ablegen. Gerade der Meisterabschluss erlebt bundesweit eine Renaissance, seit er 2020 wieder verpflichtend für die Betriebsgründung im Friseurhandwerk wurde.

Betriebsstruktur im Kreisgebiet: Kleinstbetriebe dominieren

Von den rund 85 eingetragenen Friseurbetrieben im Kreis Mecklenburg beschäftigen mehr als zwei Drittel weniger als fünf Mitarbeitende. Viele sind als Einzelunternehmen geführt, oft von Meisterinnen oder Meistern, die ihren Betrieb seit 15 oder 20 Jahren leiten. Das hat Konsequenzen: Nachfolgeregelungen werden zunehmend zum Thema.

In Wismar, dem größten Stadtgebiet des Kreises, gibt es nach Angaben der Kreishandwerkerschaft aktuell vier Betriebe, die konkret einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin suchen. Zwei davon haben bereits Anzeigen bei der Unternehmensbörse Nachfolge der Handwerkskammer geschaltet. Wer einen solchen Betrieb übernehmen will, findet dort auch Beratungsangebote zur Finanzierung.

Mietpreise und Raumkonzepte

Ein wachsender Trend sind Stuhlmiete-Modelle, bei denen selbstständige Friseurinnen oder Friseure gegen eine monatliche Miete einen Arbeitsplatz in einem größeren Salon nutzen. Das Modell gibt es in größeren Städten seit Jahren, aber auch in Wismar und Grevesmühlen entstehen inzwischen solche Shared-Salon-Konzepte. Für Inhaber bedeutet das kalkulierbare Einnahmen, für die Mieterinnen und Mieter volle unternehmerische Freiheit ohne die Last einer eigenen Gewerbeanmeldung mit Ladenfläche.

Was Kunden heute erwarten

Die Erwartungen an einen Friseurbesuch haben sich verschoben. Laut einer Befragung des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks aus dem Jahr 2024 legen 67 Prozent der unter 35-Jährigen großen Wert darauf, vorab Bilder oder Inspirationen zeigen zu können. Viele kommen mit Screenshots vom Smartphone in den Salon. Das stellt auch Betriebe im Kreis vor die Aufgabe, ihre Mitarbeitenden in der Beratungskompetenz zu schulen.

Wer aktuelle Frisurtrends recherchiert, landet schnell auf Plattformen, die Inspirationsbilder bündeln. Auch Portale wie Frisuren zeigen, welche Schnitte und Farben gerade gefragt sind, was wiederum die Erwartungshaltung der Kunden beim nächsten Salonbesuch beeinflusst. Betriebe, die sich damit auseinandersetzen, können gezielter beraten und Missverständnisse zwischen Wunsch und Ergebnis vermeiden.

Besonders gefragt sind derzeit natürliche Colorationen mit Pflanzenfarben sowie sogenannte Lived-in-Looks, also Schnitte und Farben, die möglichst wenig Nachpflege erfordern. Farbbehandlungen ohne Ammoniak werden in mehreren Wismarer Salons bereits standardmäßig angeboten.

Löhne, Kosten und wirtschaftliche Lage

Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit Januar 2025 bei 12,82 Euro brutto pro Stunde. Für Friseurinnen und Friseure, die lange zu den am schlechtesten entlohnten Berufsgruppen zählten, ist das eine spürbare Verbesserung. Gleichzeitig haben viele Betriebe die Preise angehoben. Ein Herrenhaarschnitt kostet in den meisten Salons im Kreisgebiet inzwischen zwischen 18 und 26 Euro, ein Damenhaarschnitt mit Waschen und Föhnen zwischen 35 und 55 Euro.

Energie- und Materialkosten sind seit 2022 deutlich gestiegen. Farben, Pflegeprodukte und Einwegmaterialien kosteten 2024 nach Branchenangaben im Schnitt rund 12 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Viele Inhaberinnen und Inhaber berichten, dass die gestiegenen Preise von Stammkunden überwiegend akzeptiert werden, bei Neukunden aber zu einer spürbaren Zurückhaltung führen.

Weiterbildung und Spezialisierung als Strategie

Einige Betriebe im Kreis setzen auf Spezialisierung, um sich vom wachsenden Angebot an Schnellschnitt-Ketten abzugrenzen. Dazu gehören Bereiche wie:

  • Hochzeitsfrisuren und Brautservice
  • Afro- und Naturhaarbehandlungen
  • Barbierdienste für Herren mit Rasur
  • Seniorenbesuche im Pflegeheim auf Anfrage

Die Handwerkskammer Schwerin bietet regelmäßig Meisterkurse und Fortbildungen an, zuletzt auch digital. Für Betriebe im ländlichen Kreisgebiet ist das ein Vorteil, weil Anfahrtswege wegfallen. 2024 nutzten nach Kammerangaben 38 Friseurinnen und Friseure aus dem Zuständigkeitsbereich Kurse im Bereich Colorationstechniken oder Kundenberatung.

Perspektive für junge Fachkräfte

Wer im Kreis Mecklenburg eine Friseurausbildung absolviert und den Meistertitel anstrebt, hat konkrete Perspektiven. Die Meisterprämie des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Höhe von 4.000 Euro ist seit 2022 wieder verfügbar und kann bei der zuständigen Handwerkskammer beantragt werden. Wer danach einen eigenen Betrieb gründet oder übernimmt, kann zusätzlich Beratung durch das Gründungszentrum der Kammer in Anspruch nehmen.

Das Friseurhandwerk im Kreis Mecklenburg ist kein Auslaufmodell. Die Grundnachfrage ist stabil, die Betriebe sind überwiegend gesund aufgestellt. Die Herausforderungen liegen weniger in der Technik als in der Fachkräftesicherung, der Nachfolge und der Fähigkeit, auf veränderte Kundenbedürfnisse einzugehen. Wer das erkennt und handelt, ist für die nächsten Jahre gut positioniert.

Autorin: Claudia Hofmann